Therapien im Einzelnen
Gruppentherapie
Im Gesamttherapiesetting ist die Teilnahme an der tiefenpsychologisch-orientierten Psychotherapiegruppe ein wesentliches Behandlungselement. Der Mensch als soziales Wesen ist vom Tag seiner Geburt auf die Unterstützung durch und die Interaktion mit Gruppen oder einzelnen Bezugspersonen angewiesen. Fähigkeiten und Störungen werden demnach in Beziehungen zu anderen Menschen (Primärfamilie als Gruppe) erworben und entsprechend unserem Konzept bevorzugt in Gruppen behandelt. Positive Erlebnisse in der Gruppentherapie erleichtern die Umsetzung von Veränderungen im sozialen Umfeld am Wohnort. Ziel der Therapie ist die Bearbeitung der bewussten und weniger bewussten Schwierigkeiten des Menschen in Beziehungen und die Aussöhnung mit eigenen ungeliebten Anteilen.
In der Einführungsgruppe werden für alle neu angekommenen Patienten Informationen zu unserem Therapiekonzept, zur Genese psychosomatischer Erkrankungen und unserem Behandlungsspektrum angeboten. Weiterhin wird in dieser Gruppe genügend Raum geschaffen, um den individuellen Informationsstand (Voraussetzungen) des Patienten, seine Erwartungen an uns und seine Ziele für die Therapie zu erfahren.
Durch das Behandlungsteam wird nachfolgend die Aufteilung in die verschiedenen Psychotherapiegruppen im vorgenommen, unter Beachtung der Indikation, sowie der persönlichen Ressourcen des Patienten.
Einzeltherapie
Begleitende Einzelgespräche dienen neben Schaffung einer vertrauensvollen Patient-Therapeut-Beziehung, Erhebung einer ausführlichen Anamnese und Festlegung realistischer Therapieziele vor allem der Annäherung an sehr intime schambesetzte Therapiethemen. Sie werden vom Bezugstherapeuten durchgeführt. Nach unseren Erfahrungen erleichtern sie den Einstieg in die Psychotherapie sehr. Daneben werden sie bevorzugt auch bei Stagnation des Therapieprozesses eingesetzt.
Im Abschlussgespräch werden der Therapieverlauf reflektiert, persönliche Fortschritte konkret benannt und ggfs. weiterführende Therapien, bzw. persönliche oder berufliche Perspektiven besprochen.
Entspannungstherapie
Durch eine physiologische Daueranspannung (Zeitdruck, Stress, etc.) kommt es häufig zu einer Überlastung des Organismus im Alltag und in der Folge kann der Boden für viele psychosomatische Störungen oder Erkrankungen hierdurch bereitet werden.
Ebenso wie in der Muskulatur ein Wechselspiel von Anspannung und Entspannung wünschenswert und notwendig ist, erfordern dies auch Körper und Seele. Mit der Technik des Autogenen Trainings (AT), der Progressiven Muskelrelaxation (PMR) oder der Musikentspannung (ME) werden dem Patienten kurzfristig erlernbare Methoden angeboten, um den Kreislauf der Anspannung zu unterbrechen und in einen entspannten Zustand umzuschalten. Ziel der jeweiligen Methode ist es sie in den Übungen unter Anleitung zu lernen um sie später selbstständig zu Hause durchführen zu können.
Kunst- und Gestaltungstherapie
In der Kunst- und Gestalttherapie werden über den Umgang mit verschiedenen Materialien wie Farben, Ton, Holz oder Stein kreative Fähigkeiten (neu) erprobt. Hierbei geht es nicht um künstlerische Betätigung oder um Beschäftigung. Das vom Patienten gemalte Bild, die modellierte Skulptur wird zum Ausdrucksträger der inneren Befindlichkeit, der inneren Bilder und Konflikte und dient u.a. der Bearbeitung von konflikthaften Situationen, psychosomatischen Zusammenhängen und Beziehungserfahrungen.
Manches wird darüber leichter begreifbar, erfassbar und erlebbar.
Die Therapie beinhaltet sowohl eine Gestaltungsphase, als auch das Gespräch, die Reflexion.
Musiktherapie
Musiktherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, das indikationsspezifisch mit dem Medium der Musik arbeitet, und mit dem Hintergrund eines tiefenpsychologisch orientierten Ansatzes Menschen mit seelischen und körperlichen Störungen behandelt.
Erste prägende Erfahrungen mit Elementen der Musik, beispielsweise durch den Herzschlag der Mutter oder die mütterliche Stimme, bilden eine Grundlage für das Verstehen und Verstanden Werden eines jeden Menschen.
Es geht in der Musiktherapie darum, diese ursprüngliche Möglichkeit des menschlichen Ausdrucks wieder- oder neu zu entdecken, um sich selbst und seine Gefühle besser wahrnehmen und verstehen zu können.
Die therapeutische Arbeit gestaltet sich aus dem praktischen Umgang mit dem Medium Musik und aus Gesprächsanteilen, die dazu dienen, die in der Musik gemachten Erfahrungen zu reflektieren und im Rahmen der eigenen Lebensgeschichte zu verstehen.
Die Musik steht in der Musiktherapie nicht unter dem Aspekt des Perfekten und bedeutet nicht Fleiß und Übung, sondern will vielmehr das Spielerische fördern und dem Ausdruck verleihen, wofür es manchmal keine Worte gibt. Folglich sind keine besonderen Kenntnisse oder Interessen im Bereich Musik erforderlich. Die Musiktherapie kann sowohl in Einzel- als auch in Gruppensitzungen stattfinden.
Konzentrative Bewegungstherapie (KBT)
Die Konzentrative Bewegungstherapie ist eine körperorientierte psychotherapeutische Methode, bei der Wahrnehmung und Bewegung als Grundlage von Selbsterfahrung und Handeln genutzt werden.
Wir gehen davon aus, dass sich alle negativen, wie auch positiven Erfahrungen eines Menschen nicht nur psychisch, sondern auch körperlich in Eindrücken, Haltungen, Spannungen und Verhalten widerspiegeln und eine "verkörperte Lebensgeschichte" ergeben.
Auch in der Sprache finden wir häufig seelische und körperliche (psychosomatische) Verbindungen: Wenn jemand sich etwas zu Herzen nimmt, ihm die Luft wegbleibt, die Angst im Nacken sitzt, er viel um die Ohren hat, die Wut im Bauch sitzt, ihm etwas auf den Magen schlägt, ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wird, o.ä..
Der Ansatz zu einer Therapie kann daher in der bewussten Erfahrung des Körpers und seiner Bewegung liegen. Der Gesundungsprozess wird dadurch gefördert, dass der Patient eine Verbindung zwischen körperlichem Erleben in der Gegenwart und psychischen Prozessen erfährt. So kann er Vergangenes verstehen lernen, kreativ im geschützten Rahmen der Therapie erproben und dadurch Zukünftiges neu entscheiden.
Schmerztherapie
Die Westerwaldklinik bietet ein Konzept für eine multimodale Schmerzbehandlung chronischer Schmerzzustände. Hierbei werden sowohl biologische, psychische als auch soziale Faktoren der Entstehung, Aufrechterhaltung und Behandlung der Schmerzsyndrome berücksichtigt.
Voraussetzung für die Aufnahme eines Patienten in das vorgestellte Behandlungsprogramm ist eine eindeutige Indikationsstellung mit dem Behandlungsfokus "Chronischer Schmerz".
Verschiedene Schmerzsyndrome werden differenzial-diagnostisch unterschieden und in jeweils syndrom-spezifische Behandlungsprogramme integriert.
Dabei werden die Patienten einer ausführlichen Schmerzanamnese und einer individuellen Diagnostik unterzogen, welche zusammen mit der Wertung aller verfügbaren Vorbefunde in einem interdisziplinären multimodalem Behandlungskonzept zusammengefasst werden.
So entsteht eine Therapie aus sich ergänzenden Verfahren, die sowohl körperliche und soziale als auch seelische und geistige Aspekte umfassen.
Behandlungsschwerpunkte sind unter anderem:
- Schmerzen des Stütz- und Bewegungsapparates
- Migräne
- Kopfschmerzsyndrome
- Somatoforme Schmerzstörung
- Verarbeitungsstörungen organisch verursachter Schmerzen
- Generalisierte neuroregulative Funktionsstörungen (z.B. Fibromyalgien und Tendomyo-pathien)
Therapieschwerpunkte sind dementsprechend:
- Psychotherapie
- Schmerzverarbeitungsgruppe
- Imaginationstherapie
- Entspannungstherapie
- Physiotherapie
- Physikalische Therapie
- Medizinische Trainingstherapie
- Medikamentöses Therapieregime
Tinnitustherapie
Das tinnitus-spezifische Behandlungsangebot bietet in der abgestimmten Zusammenarbeit von Arzt, Psychologe, Physiotherapeut und Hörgeräteakustiker die Chance einer umfassenden vollständigen Versorgung vor Ort, so dass weitere und oft sehr belastende Behandlungen entbehrlich werden.
Die Behandlung erstreckt sich über mindesten 3 Wochen. Zielsetzung ist eine bessere Bewältigung und Bearbeitung der Symptomatik, eine Förderung der Wahrnehmung von leib-seelischen Zusammenhängen sowie das Erkennen von krankheitsfördernden und –mindernden Faktoren. Die hierzu eingesetzten Methoden sind Informationsgespräche und Tagebuchrunde als Hilfe zur Problemanalyse, konzentrative Bewegungstherapie zur Förderung des Körper- und Selbsterlebens, Gesprächskreis zum Erfahrungsaustausch in der Gruppe, Erprobung spezifischer psychologischer Verfahren zur Krankheitsbewältigung, unterstützende individuelle Zusatzangebote wie Einzelgespräche, Bibliotherapie, „Walkman“ und ergänzende somatische Behandlungsangebote wie Massage, Bäder, Ohrmassage, Krankengymnastik, Rückenschule und Sport- sowie Entspannungstherapie.
Die Klinik wurde in das Verzeichnis der stationären Behandlungsstätten der Deutschen Tinnitusliga e.V. aufgenommen.
Somatische therapie
Die neurologische Komorbidität wird je nach Indikation mit allen zur Verfügung stehenden neurologischen Behandlungsansätzen therapiert.
Je nach Indikation kommen alle zur Verfügung stehenden und zielführenden neurologischen Behandlungsansätze zum Einsatz. Diese werden als Einzel- oder Gruppentherapien durchgeführt. In beiden Fällen wird speziell auf das Krankheitsbild des Patienten eingegangen. Nach der ausführlichen Befunderhebung wird jeweils ein individueller Behandlungsplan mit einem breiten Spektrum an Methoden und Techniken erstellt und durchgeführt.
Neben den Behandlungseffekten auf körperlicher Ebene, mit Schmerzreduktion, Funktionsverbesserung und Leistungssteigerung zeigen sich oft ebenso Wirkungen im psychischen Bereich. Die Verbesserung der Körperwahrnehmung, der Entspannungsfähigkeit und des Körperbildes wirkt sich insgesamt positiv auf das Selbstwertgefühl aus. Weiterhin wird durch diese Therapieangebote der Verlauf der psychotherapeutischen Maßnahmen im bio-psycho-sozialen Sinne unterstützt.
Angeleitete Rekreationstherapie
Neben den vorgenannten therapeutischen Gruppen- und Einzelbehandlungen sehen wir die Anleitung zu sinnvoller Freizeitgestaltung und Eigenaktivierung für psychosomatisch erkrankte Patienten als bedeutsam an. Die Entfaltung und Entdeckung persönlicher Neigungen und Fähigkeiten, den eigenen Körper positiv in Spannung und Entspannung zu erleben, oder die Freude am kreativen Gestalten werden hier gezielt gefördert. Ebenso werden mit diesen Angeboten Reize zur Steigerung der Genusfähigkeit angeboten. Weiterhin wird im konstruktiven Sinne die Erhaltung de eigenen Gesundheit angeregt und angeleitet.
- Walking
- Schwimmen und Sauna
- Wandern
- Aromapflege
- Kochen
- Gestalten/Malen/Basteln
- Singgruppe
|